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Dienstag, 12. April 2011

Ortsrundgang: Tausend Jahre in 90 Minuten

Von: Eberhard Lange

Dr. Theo Optendrenk führte Interesse übertraf Erwartungen

Lobberich. Mehr als eintausend Jahre Ortsgeschichte Lobberich erklärte Dr. Theo Optendrenk am Samstagmorgen zwischen 10 und 11.30 Uhr in gerade Mal 90 Minuten. Dem Heimathistoriker gelang dies, weil er den Rundgang auf den historischen Ortskern zwischen Markt, Altem Rathaus, Alter Kirchen und Burg Ingenhoven beschränkte.

Dass sich nicht nur Lobbericher für die Ortsgeschichte interessieren bewiesen auch Breyeller und Leuther die der Einladung der CDU Lobberich gefolgt waren. Insgesamt trafen sich mehr als 30 Interessierte an der Symbolfigur „Lobberiker Wenkbüll“ auf dem historischen Markt. Dort erinnerte Optendrenk daran, dass der geldrische Herzog Karl von Egmond 1505 dem „Kirchspiel Lobberich“ Marktrechte verlieh. Scherzend merkte Optendrenk an: “Dass die Lobbericher erst 505 Jahre später diese Symbolfigur bekamen zeigt wie schwer es ist den typischen Lobbericher darzustellen. Es ist der Künstlerin Loni Kreuder treffend gelungen. Die lange Wartezeit hat sich also gelohnt.“ Der erste Abschnitt des alten Rathauses wurde 1865, der Anbau 1892 gebaut. Bis 1999 sei das stattlichem Gebäude als Rathaus genutzt worden. Dann sei das neue Nettetaler Rathaus bezogen und das alte, weiße Rathaus privatisiert worden., Optendrenk zitierte aus der Urkunde die bei der Grundsteinlegung 1864 eingemauert wurde. Sie sei damals nicht nur vom Bürgermeister sondern auch vom Friedensrichter und dem katholischen Pfarrer unterschrieben worden. „Das Haus bauen wir zu Lobberichs Zier und aller Schaffensfase.“ hieß es darin. Zugleich wurde der Wunsch nach „dem baldigen Bau der Eisenbahn für Lobberich und der Neubau des Friedensgerichts gewünscht. 1868 sei die Eisenbahnlinie Kempen - Lobberich – Kaldenkirchen und einige Jahr später auch das neue Amtsgericht gebaut worden.

Während des Rundgangs erinnerte Optendrenk an die Geschichte und die Leiden der jüdischen Gemeinde und die Entwicklung der Evangelischen Gemeinde. Wie sich die Kirchengeschichte weiter entwickelt wurde ungeplant deutlich: Weil die griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde Lobberich die,Alte Kirche für einen Gottesdienst nutzte, wurde zunächst der Ingenhovenpark und die Burg Ingenhoven besichtigt.

Wie Lobberich mit Tegelen und Venlo zum Bistum Lüttich kam

Optendrenk erinnerte wie Wie Lobberich im Jahr 988 mit Tegelen und Venlo zum Bistum Lüttich kam. Zur Beilegung eines Streits um das Kloster St. Vitus in Gladbach einigten sich der Erzbischofrger (Köln) und Bischof Notker von Lüttich auf den Gebietstausch. Gladbach und Rheydt gingen an Köln, und Lobberich, Tegelen und Venlo an Lüttich.

„Einiges spricht dafür dass damals in Lobberich schon eine Kirche bestand, so dass Lobberich sehr viel älter als eintausend Jahre sein wird.“ Allerdings ist bisher die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 988.

Die Burg Ingenhoven ist bereits im geldrischen Lehnsregister von 1326 erwähnt.

In der Alten Kirche erfuhren die Teilnehmer vieles über die Kirchengeschichte: Die alte gotische Pfarrkirche wird zwischen 1400 und 1450 geschätzt. Nach dem Brand während des 30jähringen Krieges erhielt die Kirche eine barocke Innenausstattung. 1818 wurden die Seitenschiffe angefügt und der bis dahin freistehende Turm wurde an die Kirche angeschlossen. Am 19. Februar 1945 machte eine deutsche „Vergeltungswaffe“ „V 1“ die Kirche zur Ruine. Einige Tage später, am 27. und 28. Februar 1945 beschossen US-Truppen die Kirche.

Der in den 80er Jahren angebrachte Außenputz sicherte die Alte Kirche vor dem Verfall. Ausgrabungen im Kircheninneren brachten Reste einer romanischen Vorgängerkirche, die um 1200 gebaut wurde, zu Tage. „Nach Lage und üblicher Praxis ist anzunehmen, dass an der gleichen Stelle die Kirche der Gemeinde seit ihren Anfängen, 10.Jahrhundert oder früher, gestanden hat.

In Lobberich gibt es noch viel zu sehen, waren sich Ralf Stobbe (VVV Lobberich) und Markus Lücker, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Ortsausschuss Lobberich mit Dr. Theo Optendrenk einig. Der erinnerte: „Lobberichs Lage an der alten römischen Heerstraße von Xanten nach Köln sowie der Einfluss von Nette, Ludbach und Pletschbach auf die Siedlungsgeschichte, hatten zur Folge, dass sich viele Sehenswürdigkeiten außerhalb des Ortskerns befinden.“ Die nächste Führung soll per Fahrrad erfolgen.