Archiv

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Mit Nachdruck für freies Unternehmertum kämpfen

Von: MIT Nettetal

Zum 14. Mal wurde in Leuth die Matthias-Timmermanns-Gedenkmedaille an Mittelständler verliehen. Die Auszeichnung ging an das Modelabel Tredy aus Viersen und Maschinenbau Hankmann aus Nettetal.

Anfang Juni erst feierte das Viersener Modeunternehmen Tredy Fashion GmbH die Eröffnung der 100. Filiale, nun sind es schon 114. Die rasante Entwicklung des 2005 gegründeten Unternehmens beeindruckte die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Nettetal und im Kreis Viersen so sehr, dass sie ihm die alljährliche verliehene Matthias-Timmermanns-Gedenkmedaille zuerkannte. Preisträger aus Nettetal war das Maschinenbauunternehmen Hans Hankmann GmbH & Co. KG in Hinsbeck-Wevelinghoven. Thomas Timmermanns, Sohn des im Jahre 2000 plötzlich verstorbenen Unternehmers und ehemaligen Bürgermeisters von Nettetal, überreichte die Auszeichnungen im Leuther Saal Dückers.

Dass sie als gelernte Lebensmittelchemikerin einmal Geschäftsführerin einer Modekette sein würde, hatte die in der früheren DDR aufgewachsene Barbara Reinwaldt im Leben nicht erträumt, zumal sie auch nach der Wende einen guten Job als Laborleiterin hatte. Die Liebe verschlug sie schließlich nach Viersen, denn dort hatte ihr schon früher „ausgewanderter“ Lebensgefährte eine Modeboutique eröffnet. Am Niederrhein arbeitete sie zunächst weiter in ihrem Beruf, doch einige Jahre später packte sie das Modefieber. Im Jahre 2006 stieg die Mittvierzigerin in die Tredy Fashion GmbH ein, die die Kauffrau Barbara ten Napel-Bauer ein Jahr zuvor gegründet hatte. Heute ist sie Geschäftsführerin, als mitfinanzierende Gesellschafter hat sie auch Helmut Becker und Johannes Holzum an der Seite.

Von dem Geschäftsmodell, Einzelhändler mit bezahlbarer Mode („Outfit um die 100 Euro“) zu beliefern, kamen die Jungunternehmerinnen bald ab, da längst nicht alle Rechnungen bezahlt wurden. So eröffneten sie – mit nur geringem Startkapital – 2006 in Lobberich ihren ersten „store“, dem bald 16 weitere folgten. In ihnen wurde eine „etwas verspielte und verträumte Damenoberbekleidung“ in den Größen 36 bis 48 angeboten. Das Konzept ging auf: Heute wird Tredy-Mode, in Viersen entwickelt, in der Türkei produziert, in 114 eigenen Läden verkauft. Mit rund 720 Mitarbeitern wird ein Umsatz von 50 Mio. Euro erwirtschaftet. Dieser Leistung zollte Timmermanns „volle Anerkennung und Respekt“ und lobte das Engagement des Unternehmens im sozialen Bereich.

Als beispielhaft stellte er auch die Entwicklung des Maschinenbauers Hankmann vor, der 1962 in Grefrath-Schlibeck mit dem Bau von Silos und Förderbändern für die Kiesbranche begann und heute in Hinsbeck-Wevelinghoven in fünf Hallen (4.700 m²) Spezialmaschinen für zahlreiche Industriezeige baut, die weitgehend selbst entwickelt und zu 90 Prozent ins Ausland verkauft werden. Hans-Theo Hankmann, Meister im Maschinenbau, hat das Erbe des Vaters Hans, der auch mit 86 Jahren noch hin und wieder im Betrieb vorbeischaut, seit 30 Jahren Schritt für Schritt ausgebaut; er beschäftigt heute 40 Männer und Frauen und bildet aus, um fachlich kompetenten Nachwuchs zu haben. Hans-Theo Hankmann sei, sagte Timmermanns, ein „Mann, dessen Handlungen von klarem Menschenverstand geprägt sind“. Seine Leistungen verdienten „unsere vollste Anerkennung und unseren Respekt“, zumal er neben dem Maschinenbau auch ein Herz für die Kunst habe: In seinem Betrieb wurden das Windspiel vor dem Arag-Gebäude in Düsseldorf, das Rübsam-Pferd an der Krickenbecker Allee in Hinsbeck und die Stele im B 509-Kreisverkehr „fachgerecht gefertigt“.

Eine Lanze für den Mittelstand, als „Herzstück der deutschen Wirtschaft“ von allen Parteien gehätschelt, brach Landrat Peter Ottmann, der sich gegen die Regelungswut von Politik und Behörden aussprach: „Dahinter steckt ein pessimistisches Menschenbild vom betreuungsbedürftigen Trottelbürger“. Da auch der mittelständische Unternehmer zunehmend zur Staatsgläubigkeit neige, warb er für das von der CDU verfochtene Prinzip der Solidarität und die Losung „Privat vor Staat“. Er setzte sich für einen wirksamen Bürokratieabbau ein und forderte seine Zuhörer auf: „Helfen Sie mit, dass das freie Unternehmertum wieder zur Geltung kommt.“

Nettetals Bürgermeister Christian Wagner nutzte den Abend zu einem Loblied auf den Mittelstand: „Wir sind auf ihn angewiesen für das Gedeihen der Stadt.“ Denn Großunternehmen (Niedieck, Rokal/Pierburg) haben sich verabschiedet. Die verlorenen Arbeitsplätze haben viele kleine Firmen zum großen Teil wettgemacht. Um Unternehmen zu halten und zu gewinnen, bleibe die Stadt bei ihrem Gewerbesteuersatz, der inzwischen der niedrigste im IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein sei.

Die Veranstaltung, zu der Helma Josten als Nettetaler Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung zahlreiche Unternehmer und Politiker willkommen hieß, wurde musikalische gestaltet vom Pfarrorchester Leuth, das Matthias Timmermanns immer unterstützt hatte – hin und wieder auch tatkräftig als Paukespieler.