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Mittwoch, 25. August 2010

Zukunftswerkstatt - demografischer Wandel!

Von: CDU Nettetal

CDU freut sich über reges Interesse trotz Sommerferien

Nettetal. Auch in den Sommerferien ist das Interesse an der Zukunft groß, freute sich Jürgen Boyxen. Der Vorsitzende des Stadtverband Nettetal hatte die „Zukunftswerkstatt - demografischer Wandel!“ angeregt. Nach einem ersten Sondierungstreffen im Juli trafen sich am Mittwoch die Arbeitskreise (AK) im Lobbericher Pfarrzentrum die Brücke. Dort waren ausreichend „Rückzugsäume“ für die der Arbeitskreis : 1. Kindergarten/Schule, 2. Infrastruktur/ Energieversorgung/Stadtplanung/Umwelt, 3. Finanzen.

Boyxen leitete den AK „Schule/Bildung“. In dem wurde festgestellt, dass weniger Schüler bei gleichbleibender Lehrerzahl sehr viel mehr Chancen für individuelle Förderung und Integration ermöglichten. Da sich immer mehr Eltern nicht in der Lage sähen ihre Kinder zu Erziehen, kämen auf die Lehrer zusätzliche Aufgaben zu wie z.B. Medien -und Internbetkompetenz und Konflikttlösungsung „faustlos“, Drogen -und Suchtprävention.

Marcus Optendrenk leitete den AK Infrastruktur. Er stellte fest, der Flächennutzungsplan aus dem Jahre 2004 ist geeigneter Ausgangspunkt für die weitere Aufarbeitung des vielschichtigen Themas der Auswirkung des demogra­phischen Wandels auf Infrastruktur und Planung. Denn die zugrundeliegenden Daten und Annahmen berücksichtigen bereits wesentliche Rahmenbedingungen, die heute noch aktuell sind. Dies betrifft vor allem die Bevölkerungsprognose – sie ging für 2010 von einer Einwohnerzahl Nettetals von ca. 42500 Menschen aus (Optendrenk: „was fast exakt zutrifft“).

Ein wichtiges Instrument sei daneben der Demographiebericht des Kreises Viersen aus dem Jahr 2008 , der auch für Nettetal wichtige Aussagen trifft und vor allem die strukturellen Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung aufzeigt.

Ortsvorsteher Heinz Robert Reiners forderte bei der Planung alle Stadtteile zu berücksichtigen. „Auch in Leuth werden alten gerechte und barrierefreie Wohnungen benötigt.!“ unterstrich er. So wie zum Beispiel,in Lobberich Gewerbeflächen umgestaltet und für die Zukunft umgeplant würden, müssten in Leuth ehemalige Bauernhöfe im Dorfkern (große Wohnhäuser, Scheunen -und Gerätehallen) ungeplant werden. „Die Landwirtschaft hat sich verändert. Viele Bauernhöfe wurden aufgegeben. Das muss die Planung berücksichtigen.“ Einig war man sich, dass Hinsbeck und Leuth noch Potentiale in Sachen Fremdenverkehr haben. „Die 1970 vorgegebenen Ziele, Leuth und Hinsbeck zu Fremdenverkehrsorten weiter zu entwickeln sind heute weiter aktuell.“ Markus Lücker nannte die Umgestaltung des Hubertusplatz Schaag als gutes Beispiel für Leuth und Hinsbeck. Das geplante Gewerbegebiet „VeNeTe“ entstehe in Kaldenkirchen, sei aber für ganz Nettetal bedeutsam. In Kaldenkirchen habe man mit der Baugesellschaft Nettetal visionäre Wohnformen mit Zukunft entwickelt: Die Studentenwohnungen seien auch barrierefrei und Senioren gerecht. Also auch für „55Plusser“ geeignet. Wichtig sei, dass in allen Stadtteilen nach Kaldenkirchener Modell Wohnungen für die Generation „55 Plus“ entstünden. Ebenso wichtig aber sei, dass Jung und Alt, Singels und Famili8en in einer Straße, einem Wohnkomplex und einem Viertel lebten. „Dafür müssen die Voraussetzungen geplant, geschaffen und gesichert werden.“ so Optendrenk.

Zeit zu Handeln!

„Der demografische Wandel verlauft zur Zeit in Nettetal und im Kreis Viersen noch milde. Er wird sich in den nächsten Jahren verschärfen. Er wird unsere gesellschaftliche Struktur radikal verändern und in Frage stellen.“ so Boyxen. Soziale Leistungen werden nicht mehr im gewohnten Maße durch die geringer werdende Zahl von Arbeitenden erwirtschaftet und finanziert werden können. Es wird zu Vernichtungskämpfen zwischen Jungen und Alten, zwischen Gesunden und Kranken kommen. „Die Probleme sind unter Beachtung des für uns entscheidenden christlichen Menschenbildes zu lösen. Es ist daher notwendig, rechtzeitig ein Problembewusst zu entwickeln.“ so Boyxen.

Bei dem Sondierungstreffen wurde versucht Unterthemen aufzuzeigen. Dazu gehört das Miteinander der Generationen, Weckung zur Bereitschaft ehrenamtlichen Einsatz, Entwicklung von Modellprojekten. Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen vor dem Hintergrund eines veränderten Generationenverhältnisses zu verändern. Anpassung der Infrastruktur in Bezug auf Betreuung, medizinische Versorgung,öffentlicher Personennahverkehr. Auswirkung auf Bauleitplanung, Wohnungsbau und Arbeitsmarkt.

Veränderung der Freizeitangebote vor dem Hintergrund einer veränderten Altersstruktur. Innovative Energienutzung. Schließlich müssen die kommunalen Finanzen vor dem Hintergrund starker struktureller Veränderungen untersucht werden.

Zeitplan: Schon im September werden sich die Arbeitsgruppen wieder treffen.

Im Herbst sollen Ergebnisse präsentiert werden. Bis dahin sollen sich die Arbeitskreise noch ein bis zwei Mal treffen. Am Ende dieses Prozesses soll noch ein Gesamttreffen stattfinden.

Arbeitskreis Schule und Bildung:Am christlichen Menschenbild orientieren

Es wurden sodann folgende Gesichtspunkte erörtert:

Eine geringer werdende Schülerzahl würde bei gleich bleibender Lehrerzahl Chancen für eine Intensivierung der persönlichen Förderung jeden Schülers bieten. Eine verstärkte Hinwendung z.B. auch zu Kindern mit Migrationshintergrund würde möglich. Die Lehrer/Schülerquote wird auch vor dem Hintergrund der zu bewältigenden Inklusion Bedeutung gewinnen.

Frei werdende personelle Resourcen könnten in integrative Arbeit an den Schulen gesteckt werden.

In Anbetracht des Umstandes, dass immer mehr Eltern ihrer Erziehungs- und Bildungsaufgabe nicht mehr gerecht werden, sich sogar immer häufiger zur Betreuung ihrer Kinder außerstande sehen, wachsen die Aufgaben der Lehrer. Neben der herkömmlichen Aufgabe der Wissensvermittlung treten verstärkt soziale Aufgabenstellungen.

Die Vermittlung sozialer Kompetenz wird des Weiteren zunehmend auch zur Aufgabe der Vereine insbesondere auch der Sportvereine. Sie haben die Möglichkeit, auch die Eltern zu animieren, im Verein Betreuungsaufgaben zu übernehmen.

Jedwede Form von Betreuung, Förderung oder Wissensvermittlung setzt die vorherige Klärung der weltanschaulichen Grundlagen voraus. Die Menschen, insbesondere auch Kinder und Jugendliche, erwarten klare Aussagen. Für die CDU muss es selbstverständlich sein, dass die Erziehung und Förderung der Kinder und Jugendlichen sich am christlichen Menschenbild orientieren sollen. Die Schaffung eines Wertebewusstseins muss eines der wesentlichen Ziele sein.

Für das nächste Treffen soll jeder Teilnehmer der Arbeitsgruppe formulieren, was er unter dem Begriff der Bildung unter Berücksichtigung der Anforderungen des demografischen Wandels versteht.

Überlegt werden soll des Weiteren, ob ein geeigneter Referent zu dem Thema „Bildungsziele vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ gefunden wird. Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe wird stattfinden am 22.9.2010.

AK Planung, Stadtentwicklung:

Der Flächennutzungsplan aus dem Jahre 2004 ist geeigneter Ausgangspunkt für die weitere Aufarbeitung des vielschichtigen Themas der Auswirkung des demogra­phischen Wandels auf Infrastruktur und Planung. Denn die zugrundeliegenden Daten und Annahmen berücksichtigen bereits wesentliche Rahmenbedingungen, die heute noch aktuell sind. Dies betrifft vor allem die Bevölkerungsprognose – sie ging für 2010 von einer Einwohnerzahl Nettetals von ca. 42500 Menschen aus (was fast exakt zutrifft).

Ein wichtiges Instrument ist daneben der Demographiebericht des Kreises Viersen aus dem Jahr 2008 (Anlage), der auch für Nettetal wichtige Aussagen trifft und vor allem die strukturellen Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung aufzeigt.

Auf der Ebene der Gesamtplanung der Stadt stellen die anstehenden Baubeginne von A 61/A 74 und Gewerbepark Venete (im ersten Schritt 24 Hektar mit bis zu 700 neuen Arbeitsplätzen in der Vermarktung) in Kaldenkirchen wichtige Impulse für die Stadtentwicklung dar. Diese werden sich auch positiv auf die Attraktivität der Stadt (für Einwohner wie für evtl. Zuziehende) auswirken.

Schon heute ist absehbar, dass die Zahl der noch erforderlichen Neubaugebiete klassischer Prägung ausgesprochen gering sein wird. Stattdessen wird im Wohnungsbau die Umnutzung bestehender Gebäude schnell an Bedeutung gewinnen. Beispiele: Umnutzung von Einfamilienhäusern durch Wohnungsteilungen, Veräußerung von Eigenheimen mit dem Ziel, in barrierefreie Wohnungen ortsnah umzuziehen.

Es wird darauf ankommen, die erfolgreichen Beispiele (Umbau Alte Volksschule Severusstraße in Kaldenkirchen, schon heute barrierefrei errichtete Studenten­wohnungen, Entwicklung innerstädtischer Wohnkonzepte mit Betreuungsangeboten, erfolgte Umgestaltung Hubertusplatz in Schaag) bekannter zu machen und dadurch eine Beschleunigung dieser notwendigen Entwicklung hin zu altengerechten bzw. demographiefesten Wohnentwicklungen (kurze Wege) herbei zu führen.

Dabei kann die Stadt durch Information und Vorbildfunktion (städtische Töchter) eine wichtige Rolle übernehmen.

Fragestellungen, die näher beleuchtet werden könnten:

  1. Wie kann erreicht werden, dass die sinnvolle Umnutzung von Wohnraum – auch zur Vermeidung von Leerstand – durch die Stadt gefördert bzw. beschleunigt werden kann? Insbesondere: welche Rolle kann die Stadt im Bereich von Planung und Beratung spielen, welche Rolle kann etwa die Baugesellschaft übernehmen?

  2. Wie können die absehbaren Bedarfe für altengerechte Infrastruktur ermittelt werden? Welche Rolle sollte die Stadt bei der Umsetzung entsprechender Konzepte zur Bedarfsdeckung spielen?

  3. Welche Potenziale gibt es im Bereich des Tourismus, um die Folgen des demographischen Wandels abzumildern? Beispiel: in welchem Umfang besteht ein Markt für Ferienwohnungen in Hinsbeck und Leuth (durch Umwidmung von bestehendem Wohnraum zu befriedigen)?

  4. In welchen Bereichen können innenstadtnahe Angebote für altengerechte Wohnungen durch Neubau realisiert werden (Bongartzstift Lobberich, Rötzel-Gelände Breyell…)?

  5. Welche Anstöße lassen sich aus dem Demographiebericht des Kreises aus dem Jahr 2008 im übrigen ziehen?

Weiteres Verfahren

Die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe soll am 22. September 2010, 20 Uhr stattfinden. Der Ort wird noch bekannt gegeben.

Im nächsten Schritt soll ein Verfahrensvorschlag an die „Zukunftswerkstatt“ zum weiteren Vorgehen erarbeitet werden.

cle